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Nyxara Helena Avery - Druckversion

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Nyxara Helena Avery - Nyxara Avery - 23.11.2025

Aufgereiht wie Pokale, die Geschichten über Siege erzählen, die man erreicht hat. Nicht in Wettkämpfen, sondern in der Gesellschaft. Soziale Siege, die den Status auf eine weitere Stufe nach oben bringen. Wobei ihnen allen nicht ganz klar war, ob es überhaupt noch eine weitere Stufe gab. Familie Avery hatte alles erreicht, was es zu erreichen gab. Sie waren wunderschön, hatten viele gesunde Kinder mit absolut reinem Blut, keine Skandale oder Geldprobleme und auch keine ausufernden Partys. Nur elegante und überall bekannte Galabälle. Es war ein Zur-Schau-Stellen der eigenen Familie. Eine Parade voller Lächerlichkeiten. Man zwang sie in Kleider und Smokings, trichterte ihnen ein, wann sie 'ja, und Amen' zu sagen hatten und wann sie einfach nur nett lächeln sollten. Klar, man liebte die Kinder, doch das soziale Rampenlicht liebte man einfach noch ein bisschen mehr.
Nicht, dass es Nyx nie gefallen hätte die schönsten Kleider der Saison anzuziehen, zu glitzern wie ein Männermagnet, zu funkeln wie der hellste Stern. Die Mitte einer solchen Veranstaltung hielt noch zu wenig Aufmerksamkeit für die Avery bereit, doch was sie mehr, als alles andere nervte, war die Tatsache, dass man sie benutzte. Ihre Eltern benutzten sie und ihre Geschwister. Dafür, um besser da zu stehen. Um Gespräche zu führen, die sie nicht selbst führen wollten. Und ja, wenn es bedarf, auch, um Kontakte und Beziehungen zu knüpfen. Manchmal wurden diese Beziehungen eben auch mit Hochzeiten besiegelt, auch, wenn das die Betroffenen gar nicht wollten. So regelte man die Dinge eben in elitären Kreisen. Und sie wurden schon früh so erzogen, dass ihnen klar war, keinerlei Mitspracherecht in dieser Angelegenheit zu haben.

Doch während das Klirren der Champagner-Gläser die meisten in das Hier und Jetzt zurückholte, hing Nyxara weiter in ihren Gedanken. Auch das Stupsen eines Ellenbogens konnte sie kaum zurückholen, während sie gedankenverloren den Blick über die hochkarierten Gäste schweifen ließ. Nach wenigen Sekunden blieben ihre dunkelbraunen Augen an einem jungen Mann hängen, der ihr nicht gänzlich unbekannt war. Und leider viel mehr mit ihrem eigenen Schicksal verwebt, als ihr lieb gewesen wäre. Éloi de Montfaucon war ein französisches Reinblut und gleichzeitig auch noch ihr Verlobter. Das war eine dieser besagten Angelegenheiten, bei denen die Avery-Sprösslinge kein Mitspracherecht hatten. Diese Verlobung wurde arrangiert, weil sie sich gut im Stammbaum machte. Eine weitere reinblütige Familie aus dem hochangesehenen Frankreich an die Averys zu binden gefiel dem Familienoberhaupt, sodass er kurzerhand seine Tochter Nyx versprach. Der lüsterne Blick in den Augen des Franzosen bescherte der jungen Frau eine Gänsehaut am ganzen Körper. Sie konnte spüren, dass ihr Zukünftiger es nicht gut mit ihr meinte und sie wusste, dass sie etwas gegen diese Hochzeit tun musste. In nur wenigen Monaten sollte sie stattfinden und das Bündnis zwischen den beiden Familien besiegeln - wäre da nicht durch die intensiven Recherchen der Hexe ein paar unschöne Dinge über die Familie de Montfaucon ans Licht gekommen. Nachdem sie ihren Eltern schwarz auf weiß belegen konnte, dass es mehrere Squibs in der Familie gab, in die sie selbst einheiraten sollte, wurde diese Verbindung voller Abscheu wieder gelöst. Und dieser Fehltritt hat sie glücklicherweise bis heute davor bewahrt, erneut verheiratet zu werden. Bis jetzt. Sie weiß, dass nach einer geeigneten Verbindung gesucht wird und wirklich gefallen tut ihr das nicht. Sofern es jedoch keine Schandflecken gibt, würde sie nun eine Hochzeit eher eingehen, als damals. Heute ist sie bereit sich zur Wehr zu setzen gegen solche Männer. Denkt sie.

Das hat Nyxara jedoch nicht vor diesem einen Abend der Gala bewahrt. Männer mit ihren absolut verletzlichen Egos und dem unscheinbaren Geltungsdrang eines Kleinkindes waren eine gefährliche Mischung. Schon früh hat die Avery gelernt, dass ihre eigenen Gefühle irrelevant sind, dass sie so viel Wert besitzt, wie ihr der Patriarch zusteht. Und so war es auch an diesem Abend. Ihr Wert wurde darüber bestimmt, wie gut sie sich an dem Arm dieses Mannes machte und wie gut sie am Abend sein Bett wärmen würde - weil wozu warten, wenn sie sowieso ihm gehörte? Heute ist dieser Abend nur noch eine schwammige Erinnerung, doch sicherlich hat sie jede Unterwerfung unter einem Mann ein Stückchen mehr gebrochen.